Pascal Kremp

Beim Design nicht nur auf die Kundenwünsche achten

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Das eigene Image und somit auch die eigene Existenz stehen immer mit auf dem Spiel. Sofern man lediglich die Wünsche des Auftraggebers vollends in die Tat umsetzt, kann dies im schlimmsten Fall nicht nur dessen, sondern auch den eigenen Ruf ruinieren. Die Wünsche des Kunden sollten nicht grundsätzlich 1 zu 1 umgesetzt werden.

Als Beispiel werde ich dieses Thema anhand eines Auftrages für eine Webseite behandeln.  Die erläuterten Punkte lassen sich jedoch auf alles Andere (z. B. Flyer, Anzeigen,…), bei dem es auf Design ankommt, übertragen.

In der Regel läuft ein Designwunsch so ab, dass der Auftraggeber sich bei einer Agentur, einem Freelancer oder einem Designer meldet und seinen Wunsch schildert. Er hätte gerne eine Webseite, die so aussieht, wie die von der Konkurrenz. Die gewünschten Farben und der Inhalt soll so dargestellt werden, wie es auf einer anderen Konkurrenzseite ist.

„Klar machen wir!“ ist hier der falsche Ansatz. Auch wenn der Kunde generell König ist, kann es erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen, wenn man ausschließlich auf seine Wünsche eingeht.

Was will der Kunde wirklich?

Warum will der Kunde eine Webseite mit dem gewünschten Design haben? Er hält es für richtig und findet es schön. Leider muss man in den meisten Fällen sagen, dass der Kunde nicht über die nötigen Fähigkeiten verfügt, dass Wirken eines bestimmten Designs zu beurteilen. Dem Kunden ist oft nicht bewusst, dass er keine schöne Seite möchte, sondern eine Seite, die ein gewisses Ziel erfüllen soll.

Es gilt den Auftraggeber zu überzeugen, dass das Design kein Produkt ist, bei dem man lediglich Bausteine zusammen fügt. Das Design für eine Webseite ist ein Marketingwerkzeug und muss geplant werden. Dieses Werkzeug sollte als Prozess gesehen werden, der regelmäßig aktualisiert und auf die wandelnden Bedürfnisse des Endverbrauchers abgestimmt wird.

Das Ziel ist ein auf den Endverbraucher optimiertes Design zu erstellen, um diesen vom eigenen Produkt zu überzeugen.

Natürlich sollte man die Wünsche des Auftraggebers nicht komplett außer Acht lassen. Immerhin steht der Kunde mit seinem Namen für das Design und muss sich mit diesem identifizieren können. Die Zusammenarbeit und das kritische Betrachten jedes Schrittes im Designprozess ist daher der Grundbaustein für ein erfolgreiches Design, das die Wünsche des Kunden und die des Endverbrauchers erfüllt.

Ein Beispiel dafür ist der Onlineshopgigant Amazon. Das Design von Amazon ist umstritten, dennoch hat jedes Element auf der Seite seine Bedeutung. Diese Elemente sind auf die Bedürfnisse des Nutzers abgestimmt und sorgen damit für höhere Umsätze.

Image des Auftraggebers

Man sollte sich immer vor Augen halten, dass negative Kritik im Gegensatz zu positiver schneller verbreitet wird. Eine schlecht konzipierte Webseite, die aufgrund von kurzfristiger Profitgier oder mangelnder Kommunikation zwischen dem Ersteller und dem Auftraggeber erstellt wird, kann das Image schädigen. Betrachtet man allein den Aspekt Design und lässt Funktionalität außen vor, können folgende Punkte negativen Einfluss auf die Sicht des Endverbrauchers haben:

  • Das Design ist aufdringlich, lenkt die Aufmerksamkeit auf sich und stehlt dem Produkt die Show
  • Das Design ist veraltet bzw. nicht zeitgemäß
  • Das Design ist unübersichtlich
  • Das Design passt nicht zur Zielgruppe
  • Das Design verspricht falsche Tatsachen

Dies sind einige Punkte, die vom Benutzer wahrgenommen werden und für den ersten Eindruck sorgen. Sagt das Design einer Seite dem Internetnutzer nicht auf Anhieb zu, ist dieser ziemlich schnell bei der Konkurrenz und redet im schlimmsten Fall sogar schlecht über die Webseite bzw. das Unternehmen.

Image des Webseitenerstellers

Der Grund für das Fehlschlagen einer Internetseite wird in den seltensten Fällen beim Betreiber gesucht. Oft ist der Ersteller für alles verantwortlich, da dieser schließlich die Webseite erstellt hat. Ich glaube ich muss der Unterüberschrift nicht viel hinzufügen. Das Problem liegt auf der Hand. Die Schuld wird gerne abgewälzt und schadet dem eigenen Image.

Zusammenfassung

Es ist sinnvoll das Design mit dem Auftraggeber zu besprechen und diesen entsprechend zu beraten. Unter Umständen ist es ratsamer einen Auftrag nicht anzunehmen. Als Designer oder Agentur verfügt man in der Regel über mehr Erfahrung und kennt die Funktionalität und das Wirken bestimmter Designs. Diese Erfahrungen sollte man auf jeden Fall seinem Kunden vermitteln.

Hast du ebenfalls Erfahrung bezüglich Kundenwünsche und Vorstellungen gemacht? Deine Erfahrung und Meinung interessiert mich!

Dieser Eintrag wurde einst als Gastbeitrag auf zure.org veröffentlicht. Das Blog von Vincent Weißer hat sich neu ausgerichtet, wodurch dieser Eintrag entfernt wurde. Jetzt dürft ihr ihn hier lesen.


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